Nottingham Forest zurück in der Premier League: Ein Aufsteiger kauft die Bundesliga leer

Nottingham Forest ist zurück in der Premier League - und das bekommt vor allem auch die Bundesliga zu spüren.

Nottingham Forest ist nach 23 Jahren Abstinenz zurück in der Premier League. Das bedeutet nicht nur erstklassigen Fußball, sondern auch jede Menge Geld - und das bekam die Bundesliga bereits zu spüren.

80.000 Zuschauer, Wembley-Stadion und ein Spiel, das alles ändern kann. Für wohl jeden Spieler dieser Welt geht ein Traum in Erfüllung, bei so einem Szenario auf dem Platz stehen zu dürfen.

Dass es an diesem lauen Sommertag am 29. Mai 2022 allerdings nicht um einen Meistertitel oder einen Pokal ging, sondern "nur" um den Aufstieg in die erste Liga Englands, scheint auf den ersten Blick grotesk.

Premier League: Nottingham Forest kassiert mehr als der FC Bayern

Doch die Ausmaße dieses Playoff-Endspiels waren gewaltig. Nottingham Forest gewann - ausgerechnet - durch ein Eigentor von Unglücksrabe Levi Colwill mit 1:0 gegen Huddersfield Town und sackte eine Prämie eine, die sich die Bundesliga nicht in ihren kühnsten Träumen vorstellen kann.

Der nach wie vor einzige Verein der Welt, der die europäische Königsklasse häufiger gewonnen hat als den nationalen Meistertitel - Nottingham wurde 1978 Meister und gewann in den darauffolgenden zwei Jahren zweimal den Europapokal der Landesmeister - kassierte rund 200 Millionen Euro durch die in England so horrenden TV-Gelder.

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Zum Vergleich: Arminia Bielefeld bekam für seinen Aufstieg in der Saison 2020/21 aus der gesamten TV-Vermarktung laut kicker 34,31 Millionen Euro. Bei der Verteilung der internationalen TV-Vermarktung waren es gerade einmal 2,38 Millionen Euro. Also beinahe sechsmal weniger als Nottingham in diesem Jahr. Doch damit nicht genug! Selbst der FC Bayern kommt nicht an diese Summe heran. Der Serienmeister strich als obendrein amtierender Champions-League-Sieger insgesamt 136,5 Millionen Euro ein - also immerhin nur 63,5 Millionen Euro weniger.

Entsprechend luxuriös feierte der englische Traditionsklub seine Rückkehr in die Premier League auch.

Nottingham Forest: Bundesliga-Stars im Visier

Das Team spritzte auf dem Siegerpodest in bester Formel-1-Marnier Champagner derart über den Platz und in Richtung der Kameras, sodass an den Bildschirmen nur noch eine Mischung aus Schaum und den rot-weißen Nottingham-Trikots zu sehen war. Seitdem es darum geht, die 200 Millionen Euro wieder auszugeben, verhalten sich die Tricky Trees noch luxoriöser.

Inklusive eines Leihgeschäfts (Torhüter Dean Henderson von Manchester United) haben in dem noch gar nicht so lange geöffneten Sommer-Transferfenster bereits neun Spieler in Nottingham unterschrieben. Fünf davon kamen für eine hohe einstellige respektive zweistellige Millionensumme, darunter drei Akteure aus der Bundesliga: Union Berlins Top-Stürmer Taiwo Awoniyi, (20,5 Mio.), Mainz-05-Abwehrchef Moussa Niakhate (10 Mio.) und Bayerns Linksverteidiger-Backup Omar Richards (8,5 Mio.).

Dazu gibt es noch Gerüchte um Orel Mangala vom VfB Stuttgart und Aster Vranckx vom VfL Wolfsburg. Eine auffällige, auf den zweiten Blick aber keineswegs überraschende Tendenz. Die Renaissance des Vereins ist neben Erfolgscoach Steve Cooper nämlich auch einem Deutschen zu verdanken: George Syrianos. Der ehemalige Chefanalyst Stuttgarts und Bezugsperson von Sportdirektor Sven Mislintat ist seit der vergangenen Saison Kaderplaner in den East Midlands. Der Weg in die Bundesliga ist also nicht weit.

Deutscher Kaderplaner beteiligt am Nottingham-Erfolg

Der gebürtige Starnberger war vor seiner Tätigkeit bei den Schwaben Analyst bei der Columbia University in New York und gilt deshalb als Experte von Daten und Zahlen. "Ich muss ehrlich zugeben, vor Jahren war es eine Revolution, es war ein Durchbruch. Heute ist es eine normale Herangehensweise, welche jeder professionell aufgestellte Verein nutzt", sagte Syrianos 2021 gegenüber transfermarkt.de, der sich nicht nur auf sein großes Datennetzwerk reduzieren lassen will: "Dementsprechend sollte in meinen Augen dieser Hype langsam abnehmen."

Die Transfers des 32-Jährigen zeigten sofort Wirkung und verhalfen Nottingham zur lang ersehnten Rückkehr ins englische Oberhaus. Dabei hatte der Verein während der Hinrunde noch im Abstiegskampf gesteckt und mit Cooper bereits im September einen neuen Trainer geholt. "Nottingham ist ein Team, welches aufgrund seiner Historie und seiner Fanbase eigentlich jedes Jahr oben mitspielen muss. Aber zwischen dem Wunsch und der Realität liegen manchmal Welten", sagte Syrianos damals, noch unwissend über den späteren Siegeszug.

Die letztlich drittbeste Offensive der Championship sorgte außerdem im FA Cup für Furore und scheiterte erst im Viertelfinale am späteren Sieger FC Liverpool. Zuvor wurden der FC Arsenal und Titelverteidiger Leicester City aus dem Weg geräumt.

Syrianos: "So spielt nur Nottigham"

Komplett freie Hand hat Syrianos aber nicht. "Wir haben ein Transferkomitee installiert, in dem Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Ziel ist es, ein junges Team aufzubauen, das über einen langfristigen Zeitraum zusammen besteht, mit dem sich vor allem die Fans identifizieren können. Die Historie, die Umgebung und vor allem die Fans sind Elemente, die mit einbezogen werden müssen", sagte er und betonte: "Auch wenn es vielleicht utopisch klingt, aber wir wollen es schaffen, dass selbst mit einem abgeklebten Logo und einem beliebig farbigen Trikot die Fans oder Zuschauer sagen, dass da unten, das ist Nottingham Forest, so spielt nur Nottingham."

Für die Mission Klassenerhalt hat Nottingham neben dem nötigen Kleingeld also auch einen ausgeklügelten Kader, der erheblich an Qualität gewonnen hat - und die Bundesliga verliert womöglich weitere Top-Spieler an den vermeintlich schwächeren Klub aus England. So spielt eben nur Nottingham.

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