Der kuriose Fall Fernando Redondo: Als Argentiniens Nationaltrainer freiwillig auf seinen besten Spieler verzichtete

Fernando Redondo war Ende der 1990er Jahre einer der besten zentralen Mittelfeldspieler der Welt. Dennoch fand die WM in Frankreich ohne ihn statt.

Kurz vor der WM 1998 hatte Fernando Redondo mit Real Madrid die Champions League gewonnen. Nicht nur beim 1:0-Finalsieg über Juventus Turin um Superstar Zinedine Zidane war er eine der Schlüsselfiguren der Königlichen, über die ganze Saison hinweg dirigierte Redondo Reals Mittelfeld famos. Zudem war er im besten Fußballeralter, stand kurz vor seinem 29. Geburtstag.

Redondo war zu jener Zeit wohl einer der besten zentralen Mittelfeldspieler der Welt. Logisch also, dass in Argentiniens WM-Kader kein Weg an ihm vorbei führen dürfte. Weit gefehlt!

Aber von vorn: Nach der für Argentinien samt Doping-Skandal um Diego Maradona und frühem Aus im Achtelfinale so negativ in Erinnerung gebliebenen WM 1994 hatte Daniel Passarella die Albiceleste übernommen. Mit klarer Struktur sollte der frühere Libero wieder für alte Erfolge sorgen und bei der WM 1998 in Frankreich natürlich optimalerweise den Titel holen.

Der kuriose Fall Fernando Redondo: Keine langen Haare, bitte!

Das Problem für Redondo und einige andere Stars wie zum Beispiel auch Gabriel Batistuta: Passarella legte in jeglicher Hinsicht sehr viel Wert auf Disziplin - auch, was das äußere Erscheinungsbild anging. Ohrringe oder langes Haar waren ihm ein Dorn im Auge, seine Spieler sollten daher darauf verzichten. Batistuta hatte nach einigem Zaudern inklusive Verbannung auf die Bank ein Einsehen, wechselte zumindest vorübergehend auf Kurzhaar-Frisur - und das schien Passarella zu reichen, denn bei der WM-Endrunde sollte der Stürmer ebenso wie etwa Spielmacher Ariel Ortega trotz langem Haar auflaufen. Doch Redondo hatte bezüglich seiner Haarpracht offenbar noch etwas klarere Prinzipien.

Der elegante Supertechniker, 1994 von Teneriffa zu Real gewechselt, war vor Passarellas Zeit gesetzt gewesen in der Nationalmannschaft und sollte eigentlich eines der Gesichter der neuen Ära nach Maradona werden. Doch kurioserweise sollte seine Frisur ihm dabei im Weg stehen und er machte nach der WM 1994 mehr als viereinhalb Jahre lang kein einziges Länderspiel mehr.

Denn Redondo weigerte sich stetig, seine langen, wehenden Haare zu kürzen - und konnte daher in Madrid noch so brillant spielen, er würde unter Passarella nicht mehr für Argentinien auflaufen. Dabei wäre er unter jedem anderen Coach vermutlich gesetzt gewesen, hätte ein herausragendes Mittelfeld-Trio mit Juan Sebastian Veron und Ariel Ortega bilden können. "Vielleicht werde ich das in fünf oder zehn Jahren bereuen, aber bei manchen Dingen will ich einfach keine Kompromisse eingehen", sagte Redondo damals. "Es sieht so aus, als würde ich die WM von meinem Sessel verfolgen."

Fernando Redondo bei WM 1998 nicht dabei

Und so kam es dann auch. Redondo wurde - übrigens ebenso wie Claudio Caniggia, der sich auch nicht von seiner Mähne trennen wollte - von Passarella nicht in den Kader berufen und musste vom TV-Gerät aus zusehen, wie Argentinien die Gruppenphase zwar souverän überstand und im Achtelfinale England nach Elfmeterschießen bezwang, im Viertelfinale dann aber an der Niederlande scheiterte.

Für Passarella war der Job als Nationaltrainer einen Tag nach dem Ausscheiden beendet. Und Redondo? Der kehrte unter dessen Nachfolger Marcelo Bielsa teilweise zurück zur Albiceleste, machte 1999 noch einmal drei Länderspiele.

Mehr kamen dann nicht mehr hinzu, obwohl er auf Vereinsebene mit Real im Jahr 2000 und mit Milan 2003 noch zweimal die Champions League gewann. An Länderspielen stehen für Redondo insgesamt deren 28 zu Buche. Eigentlich viel zu wenige für einen Mann seiner Klasse - und das nur aus einem haarsträubenden Grund.

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