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FC Chelsea: Roman Abramovich kündigt Verkauf an - wie geht es weiter?

13:37 MEZ 03.03.22
GFX Roman Abramovich Chelsea
Nach dem offiziellen Rückzug von Roman Abramovich beim FC Chelsea stellt sich die Frage, wie es weiter geht? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Vor 19 Jahren kaufte Roman Abramovich für 210 Millionen Euro den FC Chelsea - nun endet seine Zeit bei den Blues abrupt. Am Mittwoch verkündete der 55 Jahre alte russische Oligarch offiziell seinen Rückzug und kündigte den Verkauf des Traditionsklubs an.

Nach der russischen Invasion in der Ukraine war Abramovich, dem eine Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin nachgesagt wird, schnell in den Fokus gerückt, als die britische Regierung zahlreichen Oligarchen und Firmen Sanktionen angedroht hatte.

Am Samstag hatte Abramovich zunächst nur seinen Rückzug aus dem operativen Geschäft und eine Übergabe an Treuhänder angekündigt. Nach Informationen von GOAL und SPOX kam dieser Schritt für die Treuhänder jedoch überraschend, zudem gab es rechtliche und ethische Bedenken. Am Mittwoch ließ Abramovich schließlich vollständig los - wenn auch schweren Herzens.

"Es tut weh, mich auf diese Art und Weise vom Klub zu trennen. Aber ich glaube, dass es im besten Interesse des Vereins liegt", teilte Abramovich mit und äußerte einen letzten Wunsch: "Ich hoffe, dass ich die Stamford Bridge noch ein letztes Mal besuchen und mich persönlich von euch allen verabschieden kann. Es war das Privileg meines Lebens, Teil des FC Chelsea zu sein. Ich bin stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben." Zu den größten Erfolgen seiner Ära zählt der zweimalige Gewinn der Champions League (2012 und 2021), zudem wurden die Blues fünfmal englischer Meister.

Aber wie geht es jetzt weiter? Welche Summe verlangt Abramovich? Wann soll der Verkauf über die Bühne gehen? Was soll mit dem Geld passieren? Und welche Interessenten gibt es? GOAL und SPOX beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie begründet Abramovich seine Entscheidung?

Er habe seine Entscheidungen immer im Interesse des Klubs getroffen, teilte Abramovich in seinem Statement mit: "In der gegenwärtigen Situation habe ich daher die Entscheidung getroffen, den Klub zu verkaufen, da ich glaube, dass dies im besten Interesse des Klubs, der Fans, der Mitarbeiter sowie der Sponsoren und Partner des Klubs ist."

Auf die drohenden Sanktionen ging er dabei nicht explizit ein. Nach Informationen von GOAL und SPOX bereitet Abramovich jedoch vor diesem Hintergrund seinen vollständigen Ausstieg aus der britischen Wirtschaft vor. Der Labour-Abgeordnete Chris Bryant sagte, Abramovich verkaufe, weil er "Angst" vor Sanktionen der britischen Regierung habe.

Mit einem vom Wirtschaftsmagazin Forbes auf 14,5 Milliarden Dollar geschätzten Nettovermögen (rund 12,9 Milliarden Euro) ist er einer der reichsten Menschen der Welt.

Welchen Kaufpreis verlangt Abramovich?

Abramovich soll 2,6 Milliarden Pfund (umgerechnet rund 3,1 Milliarden Euro) als Kaufpreis vorschweben. Ob der Verkauf aber tatsächlich diese Summe einspielt, bleibt abzuwarten.

Was soll mit dem Geld passieren?

Alle Nettoerlöse aus dem Verkauf des Klubs sollen in eine eigens gegründete Stiftung fließen, wie es der langjährige Klub-Boss in seiner Mitteilung formulierte. "Die Stiftung wird allen Opfern des Krieges in der Ukraine zugutekommen", sagte Abramovich.

"Dazu gehört die Bereitstellung wichtiger Mittel für die dringenden und unmittelbaren Bedürfnisse der Opfer sowie die Unterstützung der langfristigen Wiederaufbauarbeit."

Fordert Abramovich vom Klub Geld zurück?

"Ich werde keine Rückzahlung von Darlehen verlangen", sagte Abramovich, der dem Klub Gelder in Höhe von 1,5 Milliarden Pfund (rund 1,8 Milliarden Euro) zur Verfügung gestellt hatte. "Für mich ging es nie um Geschäft oder Geld, sondern um die reine Leidenschaft für den Fußball und den Verein."

Wie läuft der Verkauf ab?

Gemäß Abramovichs Worten soll der Verkauf nicht im Schnellverfahren, sondern in einem ordnungsgemäßen Prozess ablaufen.

Den Verkauf wickelt die Raine Group, eine in New York ansässige Handelsbank, im Auftrag von Abramovich ab. Potenzielle Käufer sollen bis Freitag ihre Angebote einreichen.

Wer will Chelsea kaufen?

Bereits vor dem offiziellen Rückzug von Abramovich warf der Schweizer Milliardär Hansjörg Wyss seinen Hut in den Ring.

"Ich kann mir den Einstieg bei Chelsea mit Partnern gut vorstellen. Aber die Rahmenbedingungen muss ich jetzt zuerst genau prüfen", sagte der 86-Jährige aus Bern im Interview mit dem Blick. Wyss habe am Dienstag mit drei weiteren Personen ein Angebot erhalten, um Chelsea vom russischen Oligarchen zu kaufen, berichtete er.

Klar sei, ergänzte Wyss, dass er eine Übernahme "ganz sicher nicht alleine" vollführe: "Wenn ich Chelsea kaufe, dann mit einem Konsortium bestehend aus sechs bis sieben Kapitalgebern." Dazu zählt Todd Boehly. Der US-amerikanischen Geschäftsmann hält 20 Prozent der Anteile am MLB-Team der Los Angeles Dodgers.

Zudem hat auch UFC-Star Conor McGregor öffentlich Interesse bekundet. "Ich möchte das gerne prüfen", schrieb er auf Twitter. Offen ist allerdings, wie ernst es McGregor, dessen Fanherz eigentlich für Manchester United schlägt, mit seinem Kaufinteresse meint. Allein könnte der 33-Jährige eine solche Investition ohnehin nicht stemmen. Sein Gesamtvermögen wird "nur" auf 170 Millionen Euro geschätzt.

Wie reagiert Tuchel auf den Verkauf?

Für den Chelsea-Coach bedeutet der Abschied von Abramovich eine Zäsur. "Ich konnte mir Chelsea bisher nur mit Roman Abramovich vorstellen", sagte Tuchel nach dem 

Sieg im Achtelfinale des englischen FA-Cups beim Zweitligisten Luton Town (3:2): "Ich habe es noch nicht wirklich realisiert. Es ist natürlich eine massive Veränderung."

Dennoch blickte Tuchel zuversichtlich in die Zukunft. "Ich bin nicht allzu besorgt, denn ich fühle mich weiter privilegiert und an einem guten Platz", sagte er. "Ich hoffe das Beste und ich habe nie Angst vor Veränderungen."

Wie reagiert die Presse auf Abramovichs Rückzug?

Der Guardian sah angesichts des Endes der "Roman-Ära" den FC Chelsea durch Abramovichs Verkauf "vor einer ungewissen Zukunft". Beim Boulevardblatt Sun war von einem "panischen Milliardär Roman Abramovich" die Rede. Der Telegraph kommentierte Rückzug des Oligarchen - und sah eigentlich keine Alternative.

"Roman Abramovich geht in die Geschichte des englischen Fußballs ein - aber er musste gehen", hieß es dort. "Die Geschichte wird zeigen, ob Abramovitchs Entscheidung, den Verein zu verkaufen, ein Akt des Altruismus oder einfach nur ein letzter Versuch ist, sein Image zu retten."

FC Chelsea: Erfolge in der Ära Abramovich

TitelAnzahl
Englischer Meister5 (2004/05, 2005/06, 2009/10, 2014/15, 2016/17)
FA Cup5 (2006/07, 2008/09, 2009/10, 2011/12, 2017/18)
Ligapokal3 (2004/05, 2006/07, 2014/15)
Champions League2 (2011/12, 2020/21)
Europa League2 (2012/13, 2018/19)
UEFA Super Cup1 (2021/22)
FIFA Klub-WM1 (2021/22)