News Spiele
Mit Video

Eine kleine Geste und doch so viel mehr: Als Cristiano Ronaldo Steven Gerrard und ganz England zur Weißglut brachte

19:50 MEZ 20.03.22
ONLY GERMANY Steven Gerrard Cristiano Ronaldo
CR7 steht oft im Mittelpunkt - so auch im Viertelfinale der WM 2006. Hier ging es aber nicht um ein Tor, sondern um eine Geste, die ein Land erzürnte.

Es gibt Spieler, für die es im Fußball nur um eines geht: ums Gewinnen. Fragt man einen Sergio Ramos, ob er eines Tages seinen Enkelkindern lieber von seinen Siegen und Trophäen oder von den vielen Freundschaften in seiner Karriere erzählt, dürfte die Antwort klar sein. Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt - und für einige ist Fußball beides zusammen.

Es ist der WM-Sommer 2006, die Zeit des Sommermärchens in Deutschland, als ein titelhungriger Portugiese allem Anschein nach noch so denkt. Später wird Cristiano Ronaldo nahezu alles gewonnen haben, doch vor mittlerweile 16 Jahren steht im Viertelfinale ein Mann auf dem Feld, dem die überraschende Finalniederlage bei der EM 2004 gegen Griechenland im eigenen Land das Herz gebrochen hat. Ronaldo will einen Titel mit Portugal - und dafür ist er bereit, wirklich alles zu geben.

Es soll sein Tag werden, und der wird es auch. In der Schalker Veltins-Arena schlägt Portugal England im Elfmeterschießen, CR7 verwandelt den entscheidenden Strafstoß. Doch wenn vor allem englische Fans vom Matchwinner Ronaldo sprechen, dann meinen sie nicht den letzten Elfmeter. Für sie hat er bereits zuvor für eine Vorentscheidung gesorgt.

WM 2006: Cristiano Ronaldo fordert Platzverweis für Teamkollegen Wayne Rooney

Die Goldene Generation der Engländer beendet das Spiel nämlich nur zu zehnt, ausgerechnet Ronaldos Teamkollege Wayne Rooney fliegt in der 62. Minute vom Platz. Das Kuriose daran: CR7 selbst hatte den Schiedsrichter nach Rooneys Foul an Ricardo Carvalho nahezu bedrängt, die Rote Karte zu zücken. Der eigene United-Sturmpartner - ein Verräter? Ganz England ist entsetzt - und gerät dann endgültig außer sich, als die Kameras eine kleine und doch so große Geste einfangen: Als Rooney den Platz verlässt, zwinkert Ronaldo der portugiesischen Bank zu.

Derjenige, der die kontoverse Szene im Nachhinein am gelassensten betrachtet, ist Rooney selbst. Die beiden sprechen darüber und bilden auch in der nächsten Saison ein furioses Duo im Angriff der Red Devils. Doch nicht alle englischen Nationalspieler verzeihen dem Portugiesen seinen unbändigen Ehrgeiz. Liverpool-Legende Steven Gerrard beispielsweise ist der Ärger über die Zwinker-Aktion auch heute noch anzumerken.

"Es ist eine dunkle Seite, die Ronaldos Spiel befleckt", schreibt der heutige Premier-League-Trainer in seiner Autobiografie und bezieht sich dabei auf die Rücksichtslosigkeit, mit der CR7 gewinnen wollte. Die Rolle, die der Portugiese beim Platzverweis von Rooney gespielt habe, sei "eine Schande" gewesen. Als sei das nicht schlimm genug gewesen, macht Gerrard aber auch unmissverständlich klar, wo der Schmerz am tiefsten sitzt.

England vs. Portugal: Steven Gerarrd auch heute noch erzürnt über Zwinkern von Cristiano Ronaldo

"Was uns England-Spieler wirklich auf die Palme gebracht hat, war Ronaldos Zwinkern in Richtung seiner Bank. Es drückte aus: 'Job erledigt!' Wie konnte er einem seiner United-Teamkameraden so etwas antun?", fragt sich 'Stevie G' noch heute. Und auch Rooney hatte nach dem Abpfiff im Teambus eine Frage an den damaligen Liverpool-Kapitän: "Was hältst du von diesem Zwinkern?"

Er erhält von Gerrard eine Antwort, die so drastisch ist, dass man an ihr den Frust eines gesamten Landes, dessen Goldene Generation wieder einen Titel verpasst hat, ablesen kann: "Ganz ehrlich, Wazza: Wenn wir gegen Spanien gespielt hätten und Xabi Alonso oder Luis Garcia [beide damals Gerrards Mitspieler bei Liverpool, Anm. d. Red.] gezwinkert oder auch nur signalisiert hätten, dass ich vom Platz geworfen werden müsse - dann würde ich nie wieder ein Wort mit ihnen wechseln!" Rumms.

Ronaldos umstrittene Aktion lohnt sich für Portugal nur an diesem Abend, im folgenden Halbfinale ist gegen Frankreich Schluss. Doch die Engländer kann dies nicht trösten. Die starbesetzte Generation um Gerrard, Lampard, Beckham, Rooney und noch einige Stars mehr wird wie viele vor ihr keinen Titel ins Mutterland des Fußballs bringen können, 2006 wäre die Chance vielleicht am größten gewesen. Cristiano Ronaldo wird 2016 mit Portugal Europameister - ein Titelgewinn, von dem er seinen Enkelkindern wohl lieber erzählen wird als von Freundschaften mit Spielern wie Wayne Rooney.