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Champions-League-Experten-Panel zum Achtelfinale: "Hatte Bayern schon eine gewisse Vorahnung?"

19:57 MEZ 13.12.21
TONI KROOS REAL MADRID
Im zweiten Anlauf klappte alles, das Champions-League-Achtelfinale ist nun ausgelost. Die Experten von GOAL und SPOX geben ihre Einschätzungen ab.

HINTERGRUND

Alles von vorn: Nachdem der UEFA ein Fauxpas unterlaufen war, musste die Ziehung der Achtelfinalspiele in der Champions League wiederholt werden. Nun stehen die acht Begegnungen endgültig fest.

Dabei kommt es bereits in der Runde der letzten 16 zu klangvollen Duellen. Während PSG auf Real Madrid trifft, muss Liverpool gegen Inter Mailand ran und Atletico empfängt zunächst Manchester United. Der FC Bayern München bekommt mit Nachbar RB Salzburg einen vermeintlich machbaren Gegner.

Wie stehen die Chancen der jeweiligen Teams? Wer zieht ins Viertelfinale ein? Sieben Experten geben bei GOAL und SPOX ihre Einschätzungen ab.

Die Teilnehmer: Nizaar Kinsella (Chelsea-Korrespondent GOAL), Neil Jones (Liverpool-Korrespondent GOAL), Charlotte Dunker (United-Korrespondentin GOAL), Mario Cortegana (Real-Korrespondent GOAL), Marc Mechenoua (PSG-Korrespondent GOAL), Jonathan Smith (City-Korrespondent GOAL), Simone Gambino (Serie-A-Korrespondent GOAL), Stanislav Schupp (Redakteur GOAL und SPOX)

CL-Auslosung: "Real hat die UEFA umgetauft"

Nizaar Kinsella: "Chelsea ist amtierender Titelträger und kann daher jede Mannschaft schlagen. Lille ist sicherlich das bestmögliche und einfachste Los, wenn man sieht, dass PSG als Gruppenzweiter beispielsweise auf Real trifft. Die Chancen stehen gut, dass Chelsea weiterkommt und dann eben in der nächsten Runde auf einen Hochkaräter trifft. Angesichts der hochgesteckten Ziele in der Premier League, im Pokal und bei der Klub-WM ist das nicht ideal."

Neil Jones: "Ich glaube, Liverpool wird mit Inter weniger glücklich sein als mit Salzburg, RB wäre natürlich der vermeintlich leichtere Gegner gewesen. Angesichts ihrer Form ist Inter ein hartes Pflaster, aber Liverpool geht dennoch als Favorit in diese Duelle. Im San Siro haben sie diese Saison bereits Milan geschlagen. Gleichzeitig spielt es Liverpool in die Karten, dass von Atletico, Manchester United, PSG und Real zwei potenzielle Konkurrenten um den Titel bereits im Achtelfinale ausscheiden werden."

Charlotte Duncker: "Auch wenn United nicht gerne gegen PSG gespielt hätte, werden sie über Atletico nicht allzu erfreut sein. Womöglich ist dies sogar eine noch schwerere Aufgabe als bei der ursprünglichen Auslosung. PSG verfügt über zahlreiche Weltklasse-Spieler, aber United hat sie schon einmal besiegt (2019, Achtelfinale). Atleti ist eine gut organisierte und ausgebildete Mannschaft. Es wird schwer sein, an ihr vorbeizukommen. Allerdings hat Ralf Rangnick nun zwei Monate Zeit, sein Team auf die Aufgabe vorzubereiten. Die aktuelle Form spricht nicht gerade für United, aber im Februar könnte das ganz anders aussehen."

Mario Cortegana: "PSG ist natürlich ein viel schlimmeres Los als Benfica. Aktuell sehe ich Real vorne, aber der Unterschied ist minimal und die Ausgangslage kann im Februar schon eine ganz andere sein. Real ist sehr, sehr wütend. Sie haben die UEFA in VERGUEFA [vom spanischen vergüenza: Schande] umgetauft. Real hält die Wiederholung für völlig inakzeptabel und haben dies bereits vor der zweiten Ziehung zum Ausdruck gebracht."

CL-Auslosung: "Die beste Nachricht für PSG ist, ... "

Marc Mechenoua: "Seit Beginn der Saison mangelt es PSG an regelmäßig guten Leistungen und Konstanz. Sie haben es bislang nicht geschafft, ein Spiel länger als 45 Minuten zu dominieren. Die Bilanz ist dürftig, aber PSG hat bis hierhin zwei Dinge gezeigt: Dass sie jederzeit ein Tor erzielen und sich oft aus schlechten Situationen befreien können. Die Entwicklung der Mannschaft ist dennoch nach wie vor nicht wirklich zu erkennen. Ganz im Gegenteil zu Real Madrid. Gegen Real können die Spieler jetzt zeigen, dass sie Fortschritte gemacht haben. Ich sehe die Chancen bei 50:50. Die beste Nachricht für PSG ist, dass sie Bayern und Liverpool aus dem Weg gehen konnten. Die Partie bringt einige interessante Geschichten mit: Der womöglich bevorstehende Mbappe-Abgang, die Rückkehr von Lionel Messi nach Spanien, die Rückkehr von Achraf Hakimi und Sergio Ramos zu ihrem Ex-Klub und das Wiedersehen mit Carlo Ancelotti. Ganz zu schweigen von der Diskussion um Zinedine Zidane als möglichen Nachfolger von Mauricio Pochettino."

Jonathan Smith: "Manchester City hat schlechte Erfahrungen mit Lissabon, wo sie im 2020 beim Finalturnier im Viertelfinale an Lyon gescheitert sind. Alles in allem werden sie aber mit Sporting zufrieden und vor allem glücklich darüber sein, nicht auf Atletico zu treffen. Villarreal, das erste Los, wäre der vermeintlich leichtere Gegner gewesen."

Simone Gambino: "Das war kein schöner Nachmittag für die beiden italienischen Teams, denn die erste Auslosung war für sie definitiv besser als die zweite. Juventus muss jetzt gegen Villarreal ran, ein Team mit einem Trainer Unai Emery, der viel internationale Erfahrung hat, mit guten Spielern wie Gerard Moreno, Arnaut Danjuma und Yeremy. Villarreal ist deutlich gefährlicher als Sporting, das Juve zuerst zugelost bekommen hatte. Bei Inter sieht es ähnlich aus. Für die Mailänder ist es unglücklich gelaufen, denn sie müssen jetzt gegen eines der besten Teams neben Bayern München ran: den FC Liverpool. Die Reds wollen wieder den Titel holen. Klopps Gegenpressing und die beeindruckenden Vorstellungen von Mohamed Salah dürften Inter Sorgen bereiten. Zuerst hatten die Nerazzurri Ajax zugelost bekommen. Das wäre für Inter wahrscheinlich besser gewesen, auch wenn die Niederländer ebenfalls eine respektable Mannschaft sind."

Stanislav Schupp: "Hatte Bayern schon eine gewisse Vorahnung? Nach der ersten Ziehung postete der Rekordmeister fälschlicherweise Salzburg als seinen Gegner statt Atletico. Nun wurde es im zweiten Anlauf doch noch RB. Statt kompakt orientierten Simeone-Fußball kommt nun eine junge, offensiv starke und auf schnelles Umschaltspiel ausgelegte Mannschaft auf die Bayern zu. Die Offensive der Salzburg um Karim Adeyemi wird die Münchner Defensive vor das ein oder andere Problem stellen. Auch das teils wilde, unstrukturierte Umschaltspiel der Bayern könnte den Österreichern in die Karten spielen, denn so kann RB von den Lücken im Zentrum durch starkes Pressing profitieren."