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BVB: Nur ein "Gentlemen's Agreement" bei Erling Haaland

18:37 MESZ 31.03.22
ERLING HAALAND BORUSSIA DORTMUND BUNDESLIGA 13032022
Es wird oft gesagt, dass Erling Haaland eine Ausstiegsklausel in Höhe von 75 Millionen Euro hat. Das stimmt nicht, es gibt nur eine mündliche Zusage.

Erling Haaland hat bei Borussia Dortmund einen Vertrag bis 2024, doch alles deutet auf einen Wechsel im Sommer hin - Real Madrid, Manchester City, Barcelona und sogar Bayern München sollen an seiner Verpflichtung interessiert sein. Die Angelegenheit erscheint aber schwieriger als gedacht: GOAL und SPOX blicken hinter die Kulissen.

Die erste wichtige Frage lautet: Gibt es in Haalands Vertrag eine Ausstiegsklausel über 75 Millionen Euro, die bis Ende April gilt? Oder handelt es sich lediglich um eine mündliche Absprache zwischen beiden Parteien? BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sagte im Dezember: "Eine Ausstiegsklausel kann ich so nicht bestätigen."

Wie GOAL und SPOX erfahren haben, gibt es ein "Gentlemen's Agreement" zwischen Dortmund und der Entourage des Norwegers, durch das sich beide verpflichtet haben, einen Abgang Haalands in diesem Sommer nicht zu verhindern, wenn ein zufriedenstellendes Angebot für Dortmund eintrifft, das über diesen 75 Millionen Euro liegt.

Im Gegensatz zu den Praktiken von anderen Vereinen wird bei der Borussia nichts Schriftliches fixiert. Das heißt: Wenn der BVB sein Wort gegeben hat, wird er es auch halten.

Borussia Dortmund ist börsennotiert

Ein weiterer wichtiger Punkt im "Fall Haaland" ist, dass Borussia Dortmund als einziger deutscher börsennotierter Klub seinen Investoren und deren Interessen verpflichtet ist. Mit anderen Worten: Wenn der Verein einen Haaland-Verkauf beschließen und daraufhin mehrere Angebote eingehen würden, müsste sich Dortmund mit dem höchsten Angebot auseinandersetzen und könnte vermutlich kein Angebot akzeptieren, das deutlich unter dem liegt, das er für fair hält.

Nach Informationen GOAL und SPOX möchte Watzke das Wort, das man Haaland gegeben hat, respektieren. Aber er ist ebenfalls dazu verpflichtet, ein Angebot anzunehmen, das den Interessen der Investoren nicht schadet. Beim BVB wird man sich vermutlich alle Angebote anhören, Haaland wird bei der Wahl seines neuen Klubs das letzte Wort haben, jedoch muss wohl ebenfalls sichergestellt werden, dass das gewählte Angebot das höchstmögliche ist.

Dortmund ist als börsennotierter Fußballverein grundsätzlich zu Ad-hoc-Mitteilungen verpflichtet, wenn ein solch großer Transfer wie der von Haaland ansteht. Denn: Insiderinformationen, die den Aktienkurs beeinflussen könnten, müssen nach §15 WpHG unverzüglich veröffentlicht werden.

Ausbildungsentschädigung und Prozentsatz eines Weiterverkaufs

Das ist aber noch nicht alles. Ein weiterer wichtiger Punkt bei einem möglichen Verkauf von Erling Haaland liegt in der Entscheidung der Dortmunder, ihre wirtschaftlichen Interessen zu wahren. Wie das? Mit der Zahlung der Ausbildungsentschädigung an die früheren Haaland-Klubs, die der neue Arbeitgeber des Norwegers übernehmen soll, und dem Sichern eines Prozentsatzes bei einem Weiterverkauf des Norwegers an einen dritten Verein in einigen Jahren.

Hinzu kommen noch die Rahmenbedingungen eines möglichen Verkaufs, die einen Deal erschweren können: Wenn Dortmund beispielsweise eine Sofortzahlung für den Transfer verlangt, könnte das ein Stolperstein für den ein oder anderen Verein werden. Wenn Dortmund dagegen einer Ratenzahlung zustimmt, würde das mehr Spielraum für den kaufenden Klub ermöglichen.

Raiola, das Umfeld und die Provisionen

Dann wäre da noch Haalands Berater Mino Raiola, dessen Umfeld und die angeblich saftigen Provisionen, die er verlangt. Der Gesundheitszustand von Mino Raiola, der seit Wochen mit Problemen kämpft, verkompliziert einen möglichen Haaland-Abgang.

In Dortmund-nahen Kreisen wird spekuliert, dass Raiola die Vorgänge an einen Cousin sowie seine langjährige rechte Hand Rafaela Pimienta, eine brasilianische Anwältin, delegiert hat. Obwohl mehrere Medien darüber berichtet haben, dass Erling Haalands Vater und sein Berater im Falle eines Verkaufs rund 100 Millionen an Provisionen kassieren würden, wissen GOAL und SPOX, dass diese Zahlungen im Falle eines Vertragsabschlusses deutlich geringer ausfallen werden.

Ein Gehalt in Höhe von 25 Millionen Euro pro Saison

Bereits vor einigen Monaten hat sich ein englischer Verein nach den erforderlichen finanziellen Rahmenbedingungen erkundigt, um den Norweger verpflichten zu können. Wie GOAL und SPOX erfahren haben, wurde von jenem Verein ein Jahresgehalt in Höhe von 35 Millionen Euro netto pro Saison verlangt. Ein astronomisches Gehalt. Das Interesse des Klubs hatte sich damit schlagartig erledigt.

Im Moment wäre Haaland vermutlich bereit, sich einem großen Verein anzuschließen, solange sein Gehalt bei 25 Millionen Euro netto pro Saison liegt, was rund 50 Millionen Euro brutto entspräche. Mit anderen Worten: Wenn ein Verein beschließt, Haaland für fünf Spielzeiten zu verpflichten, muss er mit Gehaltskosten in Höhe von rund 250 Millionen Euro rechnen.