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BVB - Geschichte geschrieben beim Bundesligadebüt: Das ist Tom Rothe von Borussia Dortmund

10:01 MESZ 17.04.22
Tom Rothe Borussia Dortmund 2022
Tom Rothe traf in seinem ersten Bundesligaspiel und wurde damit beim 6:1 des BVB gegen Wolfsburg zum Jüngsten, der bei seinem Debüt ein Tor machte.

"Nicht so schlecht", sagte Tom Rothe, als ihm im Interview mit Sky sein Tor zum 1:0 gegen den VfL Wolfsburg gezeigt wurde. Damit trug sich der Debütant auf Anhieb in die Geschichtsbücher ein: Mit 17 Jahren und 169 Tagen wurde Rothe der jüngste Spieler, der bei seinem Debüt in der Bundesliga einen Treffer erzielte.

"Tom hat das hervorragend gemacht. Das Tor hat ihm natürlich weiteres Selbstvertrauen und noch mehr Sicherheit gegeben. Für sein Alter und die Umstände spielt er schon sehr abgeklärt", lobte BVB-Trainer Marco Rose nach den 88 Minuten, die er Rothe auf dem Feld ließ. Dass er ihn überhaupt dorthin stellte, kam ziemlich überraschend, hatte aber in erster Linie mit den Ausfällen von Raphael Guerreiro (muskuläre Probleme) und Thorgan Hazard (Rückenschmerzen) zu tun.

Dass Rothe aber den Vorzug vor dem wieder genesenen Nico Schulz bekam, lässt tief blicken. Der ehemalige Nationalspieler dürfte damit der einzige Verlierer des Dortmunder Torrauschs gewesen sein. Rothes Einsatz ist aber vor allem aber ein Zeichen für die sehr große Wertschätzung, die der erst im vergangenen Sommer von der U17 des FC St. Pauli nach Dortmund gewechselte Rothe beim BVB genießt. Egal, wen man aus dem Verein fragt - alle finden den linken Verteidiger mehr als nur "nicht so schlecht".

"Tom ist brutal ehrgeizig. Er hat bei uns die meisten Einheiten, absolviert die meisten Sprints, ernährt sich am gesündesten und hat die beste Ausdauer. Er ist durch und durch top-professionell", sagt U19-Trainer Mike Tullberg im Gespräch mit GOAL und SPOX. Dort ist Rothe schnell Stammspieler und am vergangenen Wochenende Meister in der Bundesliga West geworden. Er kommt auf elf Einsätze und zwei Tore, ein weiteres steuerte er in seinen acht Partien in der UEFA Youth League bei.

BVB-Talent Tom Rothe eine Rarität im Jugendfußball

"Er ist ein toller Junge, der aber fast noch U17-Spieler ist und zur Schule geht. Deswegen muss man bei ihm ein bisschen aufpassen, dass es nicht zu schnell geht", mahnt Tullberg. In der Tat gehört Rothe zum sogenannten Jung-Jahrgang, er könnte also noch zwei Jahre lang in der A-Jugend spielen. Entwickelt er sich weiter wie bislang, dürfte dies aber nicht passieren.

Schon im Sommer war Rothe Gast im Profi-Trainingslager, allzu oft hat er jedoch noch nicht oben mittrainiert. Ihm wird die richtige Mentalität bescheinigt, um sich kontinuierlich verbessern zu können. Das zeigte sich bereits bei seinem Wechsel, die längere Pause bei St. Pauli aufgrund der Corona-Pandemie merkte man Rothe körperlich nicht an.

Vor allem aber ist Rothe mit seinen zahlreichen Waffen eine echte Rarität im Jugendfußball: seine Größe von 1,92 Metern, die Physis und Ausdauer, die Geschwindigkeit, seine Spielintelligenz und Technik - dieses bereits ziemlich komplette Paket bringen Außenverteidiger nicht oft mit. Gerade die Körperlichkeit und die Tatsache, dass ihm kaum Fehler unterlaufen, ist eine speziell für einen Linksverteidiger seltene Kombination.

BVB-Debütant Tom Rothe: Stärken und Schwächen

Hinzu kommen eine gewisse Souveränität und Abgeklärtheit, die schon bei seinem Auftritt am Samstagnachmittag stellenweise aufblitzten. Auch spielerisch überzeugte Rothe in Dortmund bislang. Vor allem die diagonalen Flachpässe mit seinem guten linken Fuß ins Mittelfeld oder hinter die gegnerische Kette sind extrem sauber gespielt. "Im Kopfballspiel ist er auch stark und seine Flanken sind super", nennt Tullberg weitere Vorzüge.

Rothe bringt zudem eine gewisse Flexibilität mit, was seine Position angeht. Der 17-Jährige kann an der Linie auf und ab rennen, so wie er es gegen Wolfsburg tat. Er ist in einer Dreierkette sowohl innen als auch außen einsetzbar und kann als Linksverteidiger in einer Viererkette spielen.

Mit diesen Fähigkeiten stand Rothe auf Anhieb auf dem Zettel des Profi-Trainerteams. Dort spielte man auch bereits längere Zeit mit dem Gedanken, ihn hochzuziehen. Man nahm jedoch Rücksicht auf seine Schulpflicht und war bedacht darauf, Rothe nicht zu viel zwischen den Teams hin- und herspringen zu lassen.

Rothe-Trainer Tullberg: "Einer, der das Zeug für ganz oben hat"

Die zweite von nun drei Mannschaften, für die Rothe in dieser Spielzeit auflief, kam erst vor dreieinhalb Wochen hinzu. Ende März spielte er in der EM-Qualifikation erstmals für die deutsche U19-Nationalelf und durfte innerhalb von sechs Tagen gleich dreimal ran, zweimal davon über die gesamte Spieldauer.

Es sind viele neue Dinge und Eindrücke, die auf Rothe in den vergangenen Monaten eingeprasselt sind. Nicht nur in sportlicher Hinsicht: Erstmals lebt er von seiner Familie getrennt und bezog ein Zimmer im Internat auf dem Trainingsgelände im Dortmunder Stadtteil Brackel. Der vielschichtige Lernprozess, durch den jeder Nachwuchsspieler in Rothes Alter gehen muss, ist in vollem Gange.

"Er muss noch viele Sachen lernen", spricht Tullberg eine Selbstverständlichkeit aus und nennt das Stellungsspiel und Zweikampfverhalten in der Defensive, das es weiter zu verbessern gilt. Auch beim Absichern seiner Mitspieler und einer konstanten Gier im Spiel gegen den Ball besteht weiteres Entwicklungspotenzial.

Dass Rothe all diese Herausforderungen bewältigen kann und sehr vieles mitbringt, um es auf das Profi-Niveau zu schaffen, daran glauben sie fest beim BVB. Rothe wird im Klub als intelligent, ruhig und auf dem Boden geblieben wahrgenommen. Man schreibt ihm eine gute Arbeitsmoral zu, die ohne zu viel Verbissenheit auskommt. "Er ist einer von den Spielern, bei dem man sagen kann, dass er das Zeug für ganz oben hat", ist sich Tullberg sicher.